Entfremdung
 

Kognitive Verhaltenstherapie

In der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT oder im englischen CBT) geht es, wie der Name schon sagt, nicht nur um das eigene Verhalten, sondern ebenfalls um kognitiven Prozesse, die die Wahrnehmung, das Denken, Entscheidungsfindungen oder die Aufmerksamkeit betreffen. Damit sind nicht nur bewusste Gedanken gemeint, sondern auch Bauchentscheidungen oder wie wir unsere Umgebung spontan „scannen“ (fühle ich mich bedroht? Ist es sicher? etc.). 

Emotionen wiederum beeinflussen solche kognitive Prozesse sowie die sozialen Interaktionen. Diese Faktoren stehen in gegenseitiger Wechselwirkung.


Diese Prozesse sind veränderbar, wenn nicht nur die momentanen Lebensbedingungen Probleme bereiten, sondern, wenn belastende Überzeugungen zu einer „inneren Wahrheit“ werden, weil ihnen zu große Bedeutung beigemessen wird, wodurch Symptome aufrechterhalten werden können:


wie: 

ich werde verrückt, ich habe bestimmt einen Hirntumor, ich werde nie …., ich werde für immer …


Verzerrte Wahrnehmungen oder dysfunktionale Denkmuster (katastrophisieren) können innerhalb der Therapie verändert werden und neue Verhaltensweisen erlernt werden, wodurch es einigen Betroffenen gelingen kann ihre Symptome zu lindern.

Aus Sicht der KVT liegt der Schwerpunkt der Behandlung auf den katastrophisierenden Denkmustern und den damit verbundenen physiologischen, emotionalen sowie verhaltensbezogenen Mustern (siehe Wong et al. 2026).


Diese Therapieform kann nach Daphne Simeon hilfreich sein für Betroffene, die eher sehr ängstlich sind oder die aus ihrem Gedankenkreisel nicht so leicht von selbst wieder herauskommen. Durch die kognitive Verhaltenstherapie können belastende Denkmuster oder katastrophale Zuschreibungen erkannt werden, und durch kognitive Umstrukturierungstechniken ersetzt werden.


Es gibt jedoch Betroffene bei denen aktuelles Grübeln oder zwanghafte Verhaltensweisen nicht im Vordergrund stehen und die primär von anderen Schwierigkeiten:

• Ich habe die Empfindung, als ob ich überhaupt keine Gedanken mehr hätte.
• Ich scheine nicht fähig zu sein, mir Dinge bildlich vorzustellen, zum Beispiel das Gesicht eines vertrauten Freundes oder einen vertrauten Ort.


berichten (siehe CDS-Fragebogen oder Symptome).


Für diese Betroffenengruppe könnten andere Therapieformen hilfreicher sein, wie auch für Betroffene, bei denen der Schwerpunkt der Symptomatik eher auf dem gefühlten Körperverlust liegt.

wie:

  • Mein Körper scheint sehr leicht zu sein, so als ob er in der Luft schwebt.
  • Wenn ein Teil meines Körpers schmerzt, komme ich mir so abgelöst von dem Schmerz vor, „als ob es der Schmerz eines anderen wäre“.


Wichtig zu verstehen ist, dass es sich bei den einzelnen Therapieansätzen um Modelle handelt, wie mögliche Probleme gelöst werden können, nicht um feststehende Tatsachen, weshalb bestimmte Behandlungsmethoden nicht unbedingt für alle Betroffenengruppen gleichermaßen geeignet sind.




Verwendete Literatur:

Hunter, E. C. M., Wong, C. L. M., Gafoor, R., Lewis, G., & David, A. S. (2023). Cognitive behaviour therapy (CBT) for depersonalization derealization disorder (DDD): A self-controlled cross-over study of waiting list vs. active treatment. Cognitive Behaviour Therapy, 52(6), 672–685.